„Tracking Tigress“ ̶ Ambivalente Gedanken beim Verfolgen von Hai-Migration

Weber TS (2021)
Tierstudien 19(Tiere und Migration).

Zeitschriftenaufsatz | Veröffentlicht | Deutsch
 
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Abstract / Bemerkung
Nach Generationen der Prägung durch ein blutrünstiges Bild von Haien sehen wir uns heute einer vielschichtigen Unter- und Überwassersituation gegenüber: Wenn wir diverse marine Spezies, u.a. Großhaie in den Blick nehmen, denken wir zunehmend häufig automatisch Bedrohungsthematiken durch Überfischung, Starkbejagung, Wasserverschmutzung und -Erwärmung mit. Die Relevanz von Haien für marine Ökosysteme ist heute zum Glück medial präsenter als je zuvor. Obwohl mittlerweile viele Jahre seit den ersten Meereseinsätzen von Crittercams (Haraway 2008: 253-258; Ullrich: 2013: 267 ff.) und noch weit mehr seit den ersten marinen Peilsendern vergangen sind, müssen wir aber akzeptieren, dass es mehr Fragen als Antworten darüber gibt, was Haie während ihrer Abwesenheit von der Meeresoberfläche und den ufernahen Zonen, wo wir sie zuweilen sehen können, umtreibt. Durch das häufigere Einsetzen von Peilsendern werden umfassendere Bilder des Wanderverhaltens vieler Haie möglich. Die Drohnentechnologie lässt Vogelperspektivaufnahmen von Haien und deren Sammelpunkten auf ihren Wanderungen zu. Bilder, die von den Bewegungs-Momenten solcher Gruppen entstehen, werden medial völlig divergent inszeniert und, je nach Narrativ, beispielsweise als Bedrohungsszenarien in Küstennähe oder, mit Fokus auf schwindende Anzahl im Vergleich zu vorigen Jahren, ökologische Katastrophen dargestellt. Einzelne Forschungszentren und die Vereinigung OCEARCH setzen prominent auf stärkere Identifikationsgrade mit Haien (und anderen Meerestieren), deren Migrationsverläufe per Tagging dokumentiert werden. Über Google Earth lassen sich individuell benannte Haie auf ihrer Reise punktuell von jeder*m Interessierten begleiten. Die Beobachtung der Bewegungsraster einzelner Haie oszillieren in ihren Inszenierungen zwischen postmodernen Monstermythen (Etwa angelehnt an die internationale Berichterstattung zu einem Großen Weißen Hai, dessen Peilsender vor 11 Jahren angespült wurde und Daten aus mehr als 300 Metern Tiefe und hohen Temperaturen gespeichert hatte, siehe: David Riggs: „Hunt fort he superpredator“. URL: https://www.smithsonianchannel.com/shows/hunt-for-the-super-predator/0/3400292;Letzter Abruf 10.07.2020) und der freudigen Erwartung persönlicher Sichtkontakte. In jüngsten Corona-Tagen wurde der auch der kommerzielle Unterhaltungsfaktor „Haibewegung“ als Alternative zu fehlenden Sportwetten Thema, wie etwa Katherine J. Wu in der New York Times kritisch diskutiert hat (Katherine J. Wu: “They wanted you to bet on sharks.“ URL: https://www.nytimes.com/2020/06/23/science/sharks-online-gambling.html, letzter Abruf 10.07.2020). Dieser kurze Beitrag fragt: Könnten sich, neben aller berechtigten Kritik an diesem technischen Eindringen in Lebenssysteme, bildgebende Verfahren wie GPS-Verfolgung dazu eignen, einen positiveren menschlicheren Bezug zur Vielfalt der Hai-Arten als wichtiger Protagonismus-Ebene der Ozeane aufzubauen? Was für eine Rolle spielt speziell der realweltliche Einsatz von Peilsendern bei der Hai-Bewegungsdokumentation im Vergleich zu dessen fiktionaler Darstellung? Ist Distanzbeobachtung mit Drohnen beim Thema Hai-Migration dazu in der Lage, ohne Irritation der Tiere neue Perspektiven auf diese zu generieren, oder werden stereotype Muster wiederholt? Somit sollen kulturelle und ökologische Potenziale und Risiken der visuellen Beobachtungs- und Dokumentationsformen von Haimigration im Abgleich zur Sprache kommen.
Stichworte
Haie; Haitracking; Drohnenaufnahmen von Haien; Haimigration
Erscheinungsjahr
2021
Zeitschriftentitel
Tierstudien
Band
19
Ausgabe
Tiere und Migration
Page URI
https://pub.uni-bielefeld.de/record/2957524

Zitieren

Weber TS. „Tracking Tigress“ ̶ Ambivalente Gedanken beim Verfolgen von Hai-Migration. Tierstudien. 2021;19(Tiere und Migration).
Weber, T. S. (2021). „Tracking Tigress“ ̶ Ambivalente Gedanken beim Verfolgen von Hai-Migration. Tierstudien, 19(Tiere und Migration)
Weber, T. S. (2021). „Tracking Tigress“ ̶ Ambivalente Gedanken beim Verfolgen von Hai-Migration. Tierstudien 19.
Weber, T.S., 2021. „Tracking Tigress“ ̶ Ambivalente Gedanken beim Verfolgen von Hai-Migration. Tierstudien, 19(Tiere und Migration).
T.S. Weber, “„Tracking Tigress“ ̶ Ambivalente Gedanken beim Verfolgen von Hai-Migration”, Tierstudien, vol. 19, 2021.
Weber, T.S.: „Tracking Tigress“ ̶ Ambivalente Gedanken beim Verfolgen von Hai-Migration. Tierstudien. 19, (2021).
Weber, Tabea Sabrina. “„Tracking Tigress“ ̶ Ambivalente Gedanken beim Verfolgen von Hai-Migration”. Tierstudien 19.Tiere und Migration (2021).

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