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Eine Bewegung für die Wahrheit? : gesellschaftliche Wirklichkeitskonstruktion in Wikipedia am Beispiel alternativer Deutungen des 11. September 2001

König R (2009)
Bielefeld (Germany): Bielefeld University.
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Bielefeld Master Thesis | German
 
Authors
Department
Fakultät für Soziologie
Alternative Title
A movement for truth? : social construction of reality in Wikipedia using the example of alternative interpretations of the September 11 attacks
Abstract:
Ausgehend von der Beobachtung, dass das Internet durch seine partizipativen Strukturen eine Pluralisierung von Wirklichkeitsdeutungen ermöglicht, wird in dieser Diplomarbeit die wissenssoziologische Frage aufgeworfen, ob dies zu einer Stärkung gesellschaftlich marginalisierter Wissensformen führt. Als Fallbeispiel dienen dabei alternative Deutungen der Terroranschläge des 11. September 2001. Wie gezeigt wird (Kapitel 1.), sind diese von der Mainstream-Interpretation der Ereignisse abweichenden Deutungen in mehrerer Hinsicht äußerst heterogen und verfügen über eine signifikante gesellschaftliche Verbreitung. In der öffentlichen, d.h. insbesondere in der massenmedialen Wahrnehmung, werden sie in der Regel als "Verschwörungstheorien" stigmatisiert und pathologisiert. Auch in der wissenschaftlichen Literatur findet sich diese Etikettierung, die aber aus wissenssoziologischer Perspektive nicht optimal erscheint, da sie keine zufriedenstellende Erklärung für die Entstehung und Popularität dieser Sinnwelten bietet. Daher wird im Anschluss an den einführenden Teil eine konstruktivistische Perspektive auf den Forschungsgegenstand entwickelt, die einen Blick auf die Konstruktionsprozesse dieser gesellschaftlichen Wirklichkeiten ermöglichen soll (Kapitel 2.). Dazu werden die technischen und sozialen Rahmenbedingungen, die durch das Internet gegeben werden und ihre Auswirkungen auf diese Prozesse besonders hervorgehoben. Denn wie gezeigt wird, spielen die hier entstehenden Strukturen eine kaum zu unterschätzende Rolle für die gesellschaftliche Wirklichkeitskonstruktion. Die Pluralisierung gesellschaftlichen Wissens, die mit den neuen Distributionsmöglichkeiten des Internets einhergeht, wirft eine zentrale wissenssoziologische Frage auf: Wie wird in diesem technisch-sozialen Kontext entschieden, was als (allgemein) gültige gesellschaftliche Wirklichkeit anerkannt wird? An prominenter Stelle wird diese Frage im Internet in der Online-Enzyklopädie Wikipedia ständig bearbeitet. Da diese grundsätzlich frei zugänglich und auch weitestgehend editierbar ist, muss hier fortlaufend ausgehandelt werden, was in Form enzyklopädischer Artikel als allgemein gültige, objektivierte gesellschaftliche Wirklichkeit definiert wird. In erster Linie geschieht dies in den angegliederten Diskussionsseiten, die das wesentliche empirische Datenmaterial zu dieser Diplomarbeit liefern. Daher wird zunächst Wikipedia inklusive ihrer Funktionsprinzipien vorgestellt und vor dem zuvor dargelegten theoretischen Hintergrund beleuchtet (Kapitel 3.). Dabei wird die oben aufgeführte allgemeine Fragestellung weiter spezifiziert, auf das zugrunde liegende Datenmaterial bezogen und angepasst. Anschließend wird dieses hinsichtlich seiner besonderen methodologischen Erfordernisse betrachtet, wobei auch auf die gewählte Methode der qualitativen Inhaltsanalyse bzw. der Grounded Theory und die verwendete Software eingegangen wird (Kapitel 4.). Die darauf folgende empirische Analyse offenbart wiederkehrende Strukturen, die sich im Laufe der untersuchten Diskussionen entwickeln (Kapitel 5.). Sie zeigt, dass die Anhänger der alternativen Deutungen intensiv von den offenen Strukturen Wikipedias Gebrauch machen, indem sie versuchen, ihre Sichtweise in den Artikel zu integrieren. Dies gelingt ihnen zum Teil auch, allerdings nur unter der deutlichen Stigmatisierung als "Verschwörungstheorien". Gleichzeitig wird durch die permanente Hinterfragung von Grundannahmen der Diskurs überfordert. Die Wikipedia-Community reagiert darauf, indem sie zum einen alternative Deutungen auslagert (in einem zusätzlichen Artikel bzw. seinen Diskussionsbereich). Zum anderen werden strenge Inklusionsbedingungen aufgestellt, die vor allem einen hohen Grad gesellschaftlicher Institutionalisierung zum Aufnahmekriterium von Wissen im Artikel bzw. den Diskussionsbereich machen. Diese Ergebnisse werden abschließend zusammenfassend dargestellt und hinsichtlich ihrer unterschiedlichen Bedeutungsebenen diskutiert (Kapitel 6.).
Keywords
9/11 ; Alternativbewegung ; Verschwörung ; Wahrheitsbewegung ; Elfter September ; Wirklichkeit ; Soziale Konstruktion ; Onlinegemeinde ; Wikipedia ; Truth movement ; Conspiracy theories ; Wikipedia ; Sociology of knowledge
Year
2009
Access Level
Open Access
 
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König R. Eine Bewegung für die Wahrheit? : gesellschaftliche Wirklichkeitskonstruktion in Wikipedia am Beispiel alternativer Deutungen des 11. September 2001. Bielefeld (Germany): Bielefeld University; 2009.
König, R. (2009). Eine Bewegung für die Wahrheit? : gesellschaftliche Wirklichkeitskonstruktion in Wikipedia am Beispiel alternativer Deutungen des 11. September 2001. Bielefeld (Germany): Bielefeld University.
König, R. (2009). Eine Bewegung für die Wahrheit? : gesellschaftliche Wirklichkeitskonstruktion in Wikipedia am Beispiel alternativer Deutungen des 11. September 2001. Bielefeld (Germany): Bielefeld University.
König, R., 2009. Eine Bewegung für die Wahrheit? : gesellschaftliche Wirklichkeitskonstruktion in Wikipedia am Beispiel alternativer Deutungen des 11. September 2001. Bielefeld (Germany): Bielefeld University.
R. König, “Eine Bewegung für die Wahrheit? : gesellschaftliche Wirklichkeitskonstruktion in Wikipedia am Beispiel alternativer Deutungen des 11. September 2001”, Bielefeld University, 2009.
König, R.: Eine Bewegung für die Wahrheit? : gesellschaftliche Wirklichkeitskonstruktion in Wikipedia am Beispiel alternativer Deutungen des 11. September 2001, (2009).
König, René. “Eine Bewegung für die Wahrheit? : gesellschaftliche Wirklichkeitskonstruktion in Wikipedia am Beispiel alternativer Deutungen des 11. September 2001”. Bielefeld (Germany): Bielefeld University, 2009.
@misc{2304807,
  abstract     = {Ausgehend von der Beobachtung, dass das Internet durch seine partizipativen Strukturen eine Pluralisierung von Wirklichkeitsdeutungen erm{\"o}glicht, wird in dieser Diplomarbeit die wissenssoziologische Frage aufgeworfen, ob dies zu einer St{\"a}rkung gesellschaftlich marginalisierter Wissensformen f{\"u}hrt. Als Fallbeispiel dienen dabei alternative Deutungen der Terroranschl{\"a}ge des 11. September 2001. Wie gezeigt wird (Kapitel 1.), sind diese von der Mainstream-Interpretation der Ereignisse abweichenden Deutungen in mehrerer Hinsicht {\"a}u{\ss}erst heterogen und verf{\"u}gen {\"u}ber eine signifikante gesellschaftliche Verbreitung. In der {\"o}ffentlichen, d.h. insbesondere in der massenmedialen Wahrnehmung, werden sie in der Regel als {\textacutedbl}Verschw{\"o}rungstheorien{\textacutedbl} stigmatisiert und pathologisiert. Auch in der wissenschaftlichen Literatur findet sich diese Etikettierung, die aber aus wissenssoziologischer Perspektive nicht optimal erscheint, da sie keine zufriedenstellende Erkl{\"a}rung f{\"u}r die Entstehung und Popularit{\"a}t dieser Sinnwelten bietet.
Daher wird im Anschluss an den einf{\"u}hrenden Teil eine konstruktivistische Perspektive auf den Forschungsgegenstand entwickelt, die einen Blick auf die Konstruktionsprozesse dieser gesellschaftlichen Wirklichkeiten erm{\"o}glichen soll (Kapitel 2.). Dazu werden die technischen und sozialen Rahmenbedingungen, die durch das Internet gegeben werden und ihre Auswirkungen auf diese Prozesse besonders hervorgehoben. Denn wie gezeigt wird, spielen die hier entstehenden Strukturen eine kaum zu untersch{\"a}tzende Rolle f{\"u}r die gesellschaftliche Wirklichkeitskonstruktion. Die Pluralisierung gesellschaftlichen Wissens, die mit den neuen Distributionsm{\"o}glichkeiten des Internets einhergeht, wirft eine zentrale wissenssoziologische Frage auf: Wie wird in diesem technisch-sozialen Kontext entschieden, was als (allgemein) g{\"u}ltige gesellschaftliche Wirklichkeit anerkannt wird?
An prominenter Stelle wird diese Frage im Internet in der Online-Enzyklop{\"a}die Wikipedia st{\"a}ndig bearbeitet. Da diese grunds{\"a}tzlich frei zug{\"a}nglich und auch weitestgehend editierbar ist, muss hier fortlaufend ausgehandelt werden, was in Form enzyklop{\"a}discher Artikel als allgemein g{\"u}ltige, objektivierte gesellschaftliche Wirklichkeit definiert wird. In erster Linie geschieht dies in den angegliederten Diskussionsseiten, die das wesentliche empirische Datenmaterial zu dieser Diplomarbeit liefern. Daher wird zun{\"a}chst Wikipedia inklusive ihrer Funktionsprinzipien vorgestellt und vor dem zuvor dargelegten theoretischen Hintergrund beleuchtet (Kapitel 3.). Dabei wird die oben aufgef{\"u}hrte allgemeine Fragestellung weiter spezifiziert, auf das zugrunde liegende Datenmaterial bezogen und angepasst. Anschlie{\ss}end wird dieses hinsichtlich seiner besonderen methodologischen Erfordernisse betrachtet, wobei auch auf die gew{\"a}hlte Methode der qualitativen Inhaltsanalyse bzw. der Grounded Theory und die verwendete Software eingegangen wird (Kapitel 4.).
Die darauf folgende empirische Analyse offenbart wiederkehrende Strukturen, die sich im Laufe der untersuchten Diskussionen entwickeln (Kapitel 5.). Sie zeigt, dass die Anh{\"a}nger der alternativen Deutungen intensiv von den offenen Strukturen Wikipedias Gebrauch machen, indem sie versuchen, ihre Sichtweise in den Artikel zu integrieren. Dies gelingt ihnen zum Teil auch, allerdings nur unter der deutlichen Stigmatisierung als {\textacutedbl}Verschw{\"o}rungstheorien{\textacutedbl}. Gleichzeitig wird durch die permanente Hinterfragung von Grundannahmen der Diskurs {\"u}berfordert. Die Wikipedia-Community reagiert darauf, indem sie zum einen alternative Deutungen auslagert (in einem zus{\"a}tzlichen Artikel bzw. seinen Diskussionsbereich). Zum anderen werden strenge Inklusionsbedingungen aufgestellt, die vor allem einen hohen Grad gesellschaftlicher Institutionalisierung zum Aufnahmekriterium von Wissen im Artikel bzw. den Diskussionsbereich machen. Diese Ergebnisse werden abschlie{\ss}end zusammenfassend dargestellt und hinsichtlich ihrer unterschiedlichen Bedeutungsebenen diskutiert (Kapitel 6.).},
  author       = {K{\"o}nig, Ren{\'e}},
  language     = {German},
  publisher    = {Bielefeld University},
  school       = {Bielefeld University},
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  year         = {2009},
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TY  - GEN
AB  - Ausgehend von der Beobachtung, dass das Internet durch seine partizipativen Strukturen eine Pluralisierung von Wirklichkeitsdeutungen ermöglicht, wird in dieser Diplomarbeit die wissenssoziologische Frage aufgeworfen, ob dies zu einer Stärkung gesellschaftlich marginalisierter Wissensformen führt. Als Fallbeispiel dienen dabei alternative Deutungen der Terroranschläge des 11. September 2001. Wie gezeigt wird (Kapitel 1.), sind diese von der Mainstream-Interpretation der Ereignisse abweichenden Deutungen in mehrerer Hinsicht äußerst heterogen und verfügen über eine signifikante gesellschaftliche Verbreitung. In der öffentlichen, d.h. insbesondere in der massenmedialen Wahrnehmung, werden sie in der Regel als "Verschwörungstheorien" stigmatisiert und pathologisiert. Auch in der wissenschaftlichen Literatur findet sich diese Etikettierung, die aber aus wissenssoziologischer Perspektive nicht optimal erscheint, da sie keine zufriedenstellende Erklärung für die Entstehung und Popularität dieser Sinnwelten bietet.
Daher wird im Anschluss an den einführenden Teil eine konstruktivistische Perspektive auf den Forschungsgegenstand entwickelt, die einen Blick auf die Konstruktionsprozesse dieser gesellschaftlichen Wirklichkeiten ermöglichen soll (Kapitel 2.). Dazu werden die technischen und sozialen Rahmenbedingungen, die durch das Internet gegeben werden und ihre Auswirkungen auf diese Prozesse besonders hervorgehoben. Denn wie gezeigt wird, spielen die hier entstehenden Strukturen eine kaum zu unterschätzende Rolle für die gesellschaftliche Wirklichkeitskonstruktion. Die Pluralisierung gesellschaftlichen Wissens, die mit den neuen Distributionsmöglichkeiten des Internets einhergeht, wirft eine zentrale wissenssoziologische Frage auf: Wie wird in diesem technisch-sozialen Kontext entschieden, was als (allgemein) gültige gesellschaftliche Wirklichkeit anerkannt wird?
An prominenter Stelle wird diese Frage im Internet in der Online-Enzyklopädie Wikipedia ständig bearbeitet. Da diese grundsätzlich frei zugänglich und auch weitestgehend editierbar ist, muss hier fortlaufend ausgehandelt werden, was in Form enzyklopädischer Artikel als allgemein gültige, objektivierte gesellschaftliche Wirklichkeit definiert wird. In erster Linie geschieht dies in den angegliederten Diskussionsseiten, die das wesentliche empirische Datenmaterial zu dieser Diplomarbeit liefern. Daher wird zunächst Wikipedia inklusive ihrer Funktionsprinzipien vorgestellt und vor dem zuvor dargelegten theoretischen Hintergrund beleuchtet (Kapitel 3.). Dabei wird die oben aufgeführte allgemeine Fragestellung weiter spezifiziert, auf das zugrunde liegende Datenmaterial bezogen und angepasst. Anschließend wird dieses hinsichtlich seiner besonderen methodologischen Erfordernisse betrachtet, wobei auch auf die gewählte Methode der qualitativen Inhaltsanalyse bzw. der Grounded Theory und die verwendete Software eingegangen wird (Kapitel 4.).
Die darauf folgende empirische Analyse offenbart wiederkehrende Strukturen, die sich im Laufe der untersuchten Diskussionen entwickeln (Kapitel 5.). Sie zeigt, dass die Anhänger der alternativen Deutungen intensiv von den offenen Strukturen Wikipedias Gebrauch machen, indem sie versuchen, ihre Sichtweise in den Artikel zu integrieren. Dies gelingt ihnen zum Teil auch, allerdings nur unter der deutlichen Stigmatisierung als "Verschwörungstheorien". Gleichzeitig wird durch die permanente Hinterfragung von Grundannahmen der Diskurs überfordert. Die Wikipedia-Community reagiert darauf, indem sie zum einen alternative Deutungen auslagert (in einem zusätzlichen Artikel bzw. seinen Diskussionsbereich). Zum anderen werden strenge Inklusionsbedingungen aufgestellt, die vor allem einen hohen Grad gesellschaftlicher Institutionalisierung zum Aufnahmekriterium von Wissen im Artikel bzw. den Diskussionsbereich machen. Diese Ergebnisse werden abschließend zusammenfassend dargestellt und hinsichtlich ihrer unterschiedlichen Bedeutungsebenen diskutiert (Kapitel 6.).
AU  - König, René
ID  - 2304807
KW  - 9/11
KW  - Alternativbewegung
KW  - Verschwörung
KW  - Wahrheitsbewegung
KW  - Elfter September
KW  - Wirklichkeit
KW  - Soziale Konstruktion
KW  - Onlinegemeinde
KW  - Wikipedia
KW  - Truth movement
KW  - Conspiracy theories
KW  - Wikipedia
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PB  - Bielefeld University
PY  - 2009
TI  - Eine Bewegung für die Wahrheit? : gesellschaftliche Wirklichkeitskonstruktion in Wikipedia am Beispiel alternativer Deutungen des 11. September 2001
U3  - PUB:ID 2304807
UR  - http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:361-17633
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