Im Brennglas der Situation. Neue Ansätze in der Gewaltsoziologie

Hoebel T, Malthaner S (Eds) (2019)
Mittelweg 36 28(1/2).

Sonderausgabe Zeitschrift | Veröffentlicht | Deutsch
 
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Herausgeber*in
Hoebel, ThomasUniBi ; Malthaner, Stefan
Abstract / Bemerkung
Das Interesse der jüngeren sozialwissenschaftlichen Gewaltforschung war in den vergangenen Jahren vornehmlich auf die möglichst detaillierte Beschreibung konkreter Gewaltsituationen gerichtet. Seit einiger Zeit jedoch mehren sich die Stimmen, die Skepsis an der Leistungsfähigkeit des situationistischen Paradigmas artikulieren und methodische Neuerungen einfordern. Höchste Zeit also, einmal kritisch in Augenschein zu nehmen, was Im Brennglas der Situation sichtbar wird – und was nicht. In ihrer Einleitung erörtern Thomas Hoebel und Stefan Malthaner, weshalb sie die maßgeblich von Randall Collins geprägte situationistische Gewaltforschung »Über dem Zenit« angekommen sehen, und zeigen sowohl deren Grenzen als auch mögliche Perspektiven zu ihrer Weiterentwicklung auf. Anschließend verortet zunächst Wolfgang Knöbl »Collins im Kontext« theoriegeschichtlicher Bezüge und systematischer Fragestellungen, bevor Eddie Hartmann unter der Überschrift »Produktiver Reduktionismus« eine Lesart von Collins‘ Ansatz vorstellt, mit der er diesen gegen Fehldeutungen und Missverständnisse zu verteidigen sucht. Im Gespräch mit Eddie Hartmann erläutert Randall Collins, was »An der Schwelle zur Gewalt« geschieht und warum die mikrosoziologische Perspektive nicht nur theoretisch ergiebige, sondern auch gesellschaftlich nützliche Einsichten ermöglicht. Die Frage, was Menschen dazu bewegt, anderen Menschen exzessive Gewalt anzutun, deren Ausmaß nicht nur tödlich, sondern »Mehr als tödlich« ist, steht im Mittelpunkt des Beitrags von Lee Ann Fujii, der hier erstmals in deutscher Übersetzung vorliegt. Kritik am ›Anwesenheitsbias‹ des situationistischen Paradigmas und Vorschläge zu seiner Erweiterung artikulieren sodann drei Fallstudien. In »Wir haben Charlie Hebdo getötet!« analysiert Thomas Hoebel anhand des Attentats auf die Redaktion der französischen Satirezeitschrift im Januar 2015 die Bedeutung abwesender Personen für die Entwicklung von Gewaltdynamiken. Vincenz Leuschner erläutert, welche Rolle virtuelle Bezugsgruppen und imaginäre Zuschauer für die Täter von School Shootings spielen: »Mein Foto wird durch sämtliche Sender flimmern«. Und Stefan Marthaler beschreibt mit Blick auf den im Zuge der #NoG20-Proteste im Sommer 2017 ausgebrochenen »Riot im Schanzenviertel«, inwiefern das scheinbar unkontrollierte Handeln von Gewaltakteuren auf durchaus anspruchsvollen Situationsdeutungen beruht. Zweifel an den selten explizit thematisierten emotions- und handlungstheoretischen Grundlagen von Collins‘ Mikrosoziologie und ihrem universalen Erklärungsanspruch artikuliert Laura Wolters, die ungläubig fragt: »Vorwärtspanik am Wickeltisch?« Zum Schluss nimmt Rainer Schützeichel »Das Problem der Situation« aus einer theoretischen Perspektive in den Blick und diskutiert die Relevanz des Konzepts für soziologische Fragestellungen jenseits der Gewaltforschung. In der »Protest-Chronik«, in der es diesmal nicht um vergangene, sondern höchst gegenwärtige Ereignisse geht, stellt Wolfgang Kraushaar die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg und die von ihr ins Leben gerufene Protestbewegung vor. Inhaltsverzeichnis Inhalt Thomas Hoebel/Stefan Malthaner Über dem Zenit. Grenzen und Perspektiven der situationistischen Gewaltforschung (S. 3) Wolfgang Knöbl Collins im Kontext. Zur Vorgeschichte der jüngeren Gewaltsoziologie (S. 15) Eddie Hartmann Produktiver Reduktionismus. Randall Collins‘ Mikrosoziologie der Gewalt (S. 40) Randall Collins/Eddie Hartmann An der Schwelle zur Gewalt. Ein Gespräch mit Randall Collins (S. 60) Lee Ann Fujii Mehr als tödlich. Das Rätsel extraletaler Gewalt (S. 70) Thomas Hoebel »Wir haben Charlie Hebdo getötet!« Konsequenzielle Dritte und die Erklärung fortgesetzter Gewalt (S. 99) Vincenz Leuschner »Mein Foto wird durch sämtliche Sender flimmern.« Schulattentate als kommunikatives Geschehen (S. 124) Stefan Malthaner Riot im Schanzenviertel. Gewaltsituationen, Gelegenheitsfenster und die »Hermeneutik der Straße« (S. 151) Laura Wolters Vorwärtspanik am Wickeltisch? Zum Verhältnis von Emotionen und Gewalt (S. 177) Rainer Schützeichel Das Problem der Situation. Über einen operativen Begriff der Soziologie (S. 205) Wolfgang Kraushaar Aus der Protest-Chronik: 20. August 2018, Stockholm (S. 226)
Erscheinungsjahr
2019
Zeitschriftentitel
Mittelweg 36
Band
28
Ausgabe
1/2
ISSN
0941-6382
Page URI
https://pub.uni-bielefeld.de/record/2985800

Zitieren

Hoebel T, Malthaner S, eds. Im Brennglas der Situation. Neue Ansätze in der Gewaltsoziologie. Mittelweg 36. 2019;28(1/2).
Hoebel T., & Malthaner S. (Eds.) (2019). Im Brennglas der Situation. Neue Ansätze in der Gewaltsoziologie. Mittelweg 36, 28(1/2)
Hoebel, Thomas, and Malthaner, Stefan, eds. 2019. “Im Brennglas der Situation. Neue Ansätze in der Gewaltsoziologie”. Mittelweg 36 28 (1/2).
Hoebel, T., and Malthaner, S. eds. (2019). Im Brennglas der Situation. Neue Ansätze in der Gewaltsoziologie. Mittelweg 36 28.
T. Hoebel & S. Malthaner, eds., 2019. Im Brennglas der Situation. Neue Ansätze in der Gewaltsoziologie. Mittelweg 36, 28(1/2).
T. Hoebel and S. Malthaner, eds., “Im Brennglas der Situation. Neue Ansätze in der Gewaltsoziologie”, Mittelweg 36, vol. 28, 2019.
Hoebel, T., Malthaner, S. eds: Im Brennglas der Situation. Neue Ansätze in der Gewaltsoziologie. Mittelweg 36. 28, (2019).
Thomas Hoebel and Stefan Malthaner, eds. “Im Brennglas der Situation. Neue Ansätze in der Gewaltsoziologie”. Mittelweg 36 28.1/2 (2019).

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