Gesundheitsförderung in totalen Institutionen am Beispiel einer geschlossenen Justizvollzugsanstalt

Bögemann H (2003)
Bielefeld (Germany): Bielefeld University.

Bielefelder E-Dissertation | Deutsch
 
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Autor*in
Bögemann, Heiner
Betreuer*in
Hurrelmann, Klaus
Abstract / Bemerkung
Thema der Arbeit ist Gesundheitsförderung für das Personal in totalen Institutionen, insbesondere für das Personal in einer geschlossenen Haftanstalt. Totale Institutionen dienen unter anderem der Verwahrung von Personen, denen die Fähigkeit abgesprochen wird, selbst für sich zu sorgen (Krankenhäuser, Alters- und Pflegeheime) oder von denen angenommen wird, dass es für sie selbst oder für die Gesellschaft gefährlich sei, wenn sie nicht weggeschlossen werden. Aus ihrem Selbstverständnis heraus regelt die Institution das Leben der Insassen und damit letztlich auch das (Arbeits-)Leben des Personals bis ins Detail. So müssen sich nicht nur die Insassen, sondern auch die Beschäftigten einem umfangreichen und starren Regelwerk unterwerfen. Die Arbeitswelt von Gefängnissen unterscheidet sich durch einige Besonderheiten von anderen Arbeitswelten, die zu spezifischen Belastungen des Personals führen wie z.B. Stresserkrankungen (Burnout), posttraumatische Belastungsstörungen, Suchtmittelmissbrauch. Hohe Krankenstände und eine Häufung vorzeitiger Zurruhesetzungen sind die Folgen, dennoch ist das Thema Gesundheitsförderung für Justizvollzugsbedienstete in Deutschland in Forschung und Praxis bislang praktisch nicht beachtet worden. Zur Untersuchung der gesundheitlichen Situation des Gefängnispersonals wurde 1997 ein zunächst auf zwei Jahre befristetes, dann mehrfach verlängertes Projekt unter dem Titel "Gesundheitsförderung und Stressbewältigung für Justizvollzugsbedienstete" in einer geschlossenen Haftanstalt eingerichtet, zu dessen Durchführung in der Projektanstalt eine Abteilung Gesundheitsförderung geschaffen wurde. Um eine Einschätzung der Situation des Personals vorzunehmen, wurde eine quantitative Personalbefragung in der Anstalt durchgeführt. Die hohe Beteiligung beim Pretest (85 v.H.) wie auch bei der Hauptbefragung (63 v.H.) zeugte vom Interesse des Personals an der Thematik. Als Ergebnis der Befragung lassen sich insbesondere folgende Belastungen festhalten: Stress u. a. durch schwierige klimatische und zwischenmenschliche Verhältnisse, ausgeprägte Kommunikationsstörungen zwischen den hierarchischen Ebenen und zwischen den einzelnen Berufsgruppen in der Anstalt sowie eine ausgeprägte Berufsrollenproblematik (Bewacher versus Helfer). Konkrete gesundheitliche Probleme zeigten sich überdurchschnittlich häufig im vegetativen Bereich, im Bereich des Bewegungs- und Stützapparates, in Form von Herz-Kreislaufbeschwerden, Hautkrankheiten sowie Störungen des Verdauungssystems. Um die vielschichtigen Kommunikationsstörungen zu bearbeiten, entwickelte die Abteilung Gesundheitsförderung zahlreiche Aktivitäten zum Ausbau der beratenden und kommunikativen Infrastruktur in der Projektanstalt. Schwerpunkte waren die Umsetzung professioneller psychosozialer wie auch kollegialer Beratungsprinzipien (Supervision, Institutionalisierung eines Sozialen Ansprechpartners) sowie die Konzeption eines umfassenden Fortbildungsprogramms für die Zielgruppe mit Zukunftswerkstätten und Planspielen. In neu eingerichteten Qualitätszirkeln wurden die Arbeitsbedingungen durch die Bediensteten reflektiert und Verbesserungen entwickelt. Im Rahmen von Personal- und Organisationsentwicklungsmaßnahmen wurden Vorgesetztenschulungen durchgeführt, um Widerstände gegen Maßnahmen zur Gesundheitsförderung (z.B. Suchtprävention) abzubauen. Aus den genannten Aktivitäten haben sich weitere wichtige Handlungsfelder in der Projektarbeit herauskristallisiert, insbesondere die Problematik der posttraumatischen Belastungsstörungen (PTSD). Nach einer Personalbefragung zu PTSD wurde eine Selbsthilfegruppe gegründet und der Aufbau einer kollegialen Beratungsstruktur initiiert. Nach vielseitigen Aktivitäten auf Landesebene konstituierte sich ein landesweiter Arbeitskreis PTSD, aus dem sich in der Folge ein Kriseninterventionsteam entwickelt hat. Die Ergebnisse der Projektarbeit werden seit 2000 zunehmend auch in anderen Justizvollzugsanstalten und in anderen Bundesländern bei der Initiierung von Gesundheitsförderung berücksichtigt. Auf institutioneller Ebene haben sie zur Schaffung eines ersten landesweiten Gesundheitszentrums für den Justizvollzug (in Niedersachsen) geführt. Das heißt, prinzipiell ist Gesundheitsförderung auch in extremen totalen Institutionen wie Haftanstalten möglich.
Jahr
2003
Page URI
https://pub.uni-bielefeld.de/record/2303753

Zitieren

Bögemann H. Gesundheitsförderung in totalen Institutionen am Beispiel einer geschlossenen Justizvollzugsanstalt. Bielefeld (Germany): Bielefeld University; 2003.
Bögemann, H. (2003). Gesundheitsförderung in totalen Institutionen am Beispiel einer geschlossenen Justizvollzugsanstalt. Bielefeld (Germany): Bielefeld University.
Bögemann, H. (2003). Gesundheitsförderung in totalen Institutionen am Beispiel einer geschlossenen Justizvollzugsanstalt. Bielefeld (Germany): Bielefeld University.
Bögemann, H., 2003. Gesundheitsförderung in totalen Institutionen am Beispiel einer geschlossenen Justizvollzugsanstalt, Bielefeld (Germany): Bielefeld University.
H. Bögemann, Gesundheitsförderung in totalen Institutionen am Beispiel einer geschlossenen Justizvollzugsanstalt, Bielefeld (Germany): Bielefeld University, 2003.
Bögemann, H.: Gesundheitsförderung in totalen Institutionen am Beispiel einer geschlossenen Justizvollzugsanstalt. Bielefeld University, Bielefeld (Germany) (2003).
Bögemann, Heiner. Gesundheitsförderung in totalen Institutionen am Beispiel einer geschlossenen Justizvollzugsanstalt. Bielefeld (Germany): Bielefeld University, 2003.
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