Hilfe@Depressions-Online-Forum: Eine qualitative Studie zu Unterstützungs- und Hilfebestrebungen in Depressions-Online-Foren im Internet

Karlheim C (2016)
Bielefeld: Universität Bielefeld.

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Bielefeld Dissertation | German
Abstract
Seit einigen Jahren ist in den Industrienationen eine starke Zunahme von psychischen Erkrankungen zu verzeichnen. Die Versorgung der Erkrankten ist (inhaltlich) lückenhaft und (durch die hohen Fallzahlen) überfordert. Daher suchen immer mehr Erkrankte nach informellen Hilfestellungen, sei es in Vereinen, sei es im Internet. Die hier mögliche Anonymität bietet ihnen weitgehend Schutz in Online-Communities vor Stigmatisierung. In diesen Depressions-Online-Foren, virtuellen Laien-Zusammenschlüssen, bilden sich neue Formen der informellen Hilfe und sozialer Unterstützung heraus, die sich bislang in weiten Teilen neben dem professionellen Versorgungsgeschehen im Internet etablieren. Eine relativ offene Frage ist, welche Potenziale von diesen virtuellen Orten für die Unterstützung und Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen ausgehen und welche Art der Unterstützung hier erfolgt. Die Depressions-Online-Foren sind innovativ. Ihre Nutzung erfolgt unabhängig vom Tagesablauf Anderer, schriftbasiert und anonym. Für diese spezifischen Eigenschaften gilt, dass sie die Betroffenen darin unterstützen, sich im Internet zu offenbaren. Hier werden die Fragen aufgeworfen, wodurch die Depressions-Online-Foren charakterisiert sind, welche Ideen und Zielsetzungen diesen Foren zugrunde liegen, welche Funktion die Teilnahme für die Nutzer hat, welche Art von wechselseitiger Unterstützung und Hilfe sich hier identifizieren lässt, wie diese zu konzeptualisieren sind und ob im virtuellen Raum der Online-Foren eine neue Form emergiert.
Um diesen Fragen nachzugehen, wurden (1) Experteninterviews mit Betreibern sowie (2) asynchrone Online-Gruppendiskussionen mit Nutzern und Moderatoren durchgeführt. Erst aus dieser mehrperspektivischen Betrachtung kann das Phänomen ‚Depressions-Online-Forum‘ in seiner Gesamtheit betrachtet werden. Die Ergebnisse zeigen, dass es sich bei den Depressions-Online-Foren um eine neue Form der gesundheitsbezogenen informellen (Selbst)Hilfe sowie um virtuell geprägte soziale Unterstützung handelt.
Depressions-Online-Foren schließen nur zum Teil an die Grundprinzipien der gemeinschaftlichen Selbsthilfe an, nicht aber an die Praktiken der realen Selbsthilfe. Diese Differenz zeigt sich darin, dass sie gleichermaßen (a) reine Laien-Zusammenschlüsse sind, (b) unabhängig vom professionellen Versorgungssystem funktionieren, (c) ein kostenfreies Angebot unterbreiten, das ehrenamtlich betrieben und aufrechterhalten wird und nicht auf ökonomische Gewinnmaximierung setzt, (d) die Angebote auf Erkrankte und Angehörige beschränkt sind und (e) sie auf gegenseitiger Hilfe sowie Stärkung des Empowerments aufbauen. Andererseits zeigt sich für die Depressions-Online-Foren, dass aufgrund der starren Strukturvorgabe durch die Betreiber und den Charakter der Betreuung durch die Moderatoren freie, gemeinschaftliche Selbsthilfe gerade nicht vorliegt. So werden (1) die Inhalte im Auftrag der Forumsleitung von den Moderatoren kontrolliert und (2) verhindern Anonymität und Fluktuation eine Gruppenbildung. Anhand ihrer Zieldimensionen wird deutlich, dass die Online-Foren sich in einer ‚fünften Welle’ der Entwicklung verorten lassen: Über diese wird virtuelle soziale Unterstützung und damit neue kommunikative Formen im Internet eröffnet, die über deren bislang bekannte Mechanismen hinausgehen.
Das Internet gewinnt immer größere Bedeutung, auch als Ort der Versorgungsgestaltung. Hier bilden sich neue Strukturen informeller Hilfe heraus, die für die depressiv Erkrankter einen wichtigen Ankerpunkt darstellen. Die Herausforderung einer bedarfsgerechten Versorgung schließt in Zukunft auch mediale Hilfe-, Unterstützungs- und Informationsvermittlungen ein. Die Herausforderung besteht darin, den medialen Wandel zu betrachten, zu analysieren und mitzugestalten. Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit geben hier wichtige Ansatzpunkte.
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Karlheim C. Hilfe@Depressions-Online-Forum: Eine qualitative Studie zu Unterstützungs- und Hilfebestrebungen in Depressions-Online-Foren im Internet. Bielefeld: Universität Bielefeld; 2016.
Karlheim, C. (2016). Hilfe@Depressions-Online-Forum: Eine qualitative Studie zu Unterstützungs- und Hilfebestrebungen in Depressions-Online-Foren im Internet. Bielefeld: Universität Bielefeld.
Karlheim, C. (2016). Hilfe@Depressions-Online-Forum: Eine qualitative Studie zu Unterstützungs- und Hilfebestrebungen in Depressions-Online-Foren im Internet. Bielefeld: Universität Bielefeld.
Karlheim, C., 2016. Hilfe@Depressions-Online-Forum: Eine qualitative Studie zu Unterstützungs- und Hilfebestrebungen in Depressions-Online-Foren im Internet, Bielefeld: Universität Bielefeld.
C. Karlheim, Hilfe@Depressions-Online-Forum: Eine qualitative Studie zu Unterstützungs- und Hilfebestrebungen in Depressions-Online-Foren im Internet, Bielefeld: Universität Bielefeld, 2016.
Karlheim, C.: Hilfe@Depressions-Online-Forum: Eine qualitative Studie zu Unterstützungs- und Hilfebestrebungen in Depressions-Online-Foren im Internet. Universität Bielefeld, Bielefeld (2016).
Karlheim, Christoph. Hilfe@Depressions-Online-Forum: Eine qualitative Studie zu Unterstützungs- und Hilfebestrebungen in Depressions-Online-Foren im Internet. Bielefeld: Universität Bielefeld, 2016.
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