Zeitgenössische Vorurteile : Erfassung, Erklärung und Reduktion

Heitland K (2009)
Bielefeld (Germany): Bielefeld University.

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OA
Bielefeld Dissertation | German
Author
Supervisor
Bohner, Gerd (Prof. Dr.)
Alternative Title
Contemporary prejudice : measurement, explanation and reduction
Abstract
The present work consists of three papers which focus on contemporary prejudice. The first paper outlines the differences between contemporary prejudice and prior, more blatant conceptualisations of prejudice expression. In the German-speaking part no (published) valide scale of prejudice is present which explicitly measures contemporary prejudice. Therefore, the first paper focuses on the development of a German version of the Racial Argument Scale (RAS, Saucier & Miller, 2003). The scale allows for an indirect measurement of contemporary prejudice. The German version RAS-G was validated with prejudice scales, scales to measure stereotypes and discriminating behavioural intentions. Further, the attitude dimensions Right-Wing-Authoritarianism (RWA, Altemeyer, 1981, 1988, 1996, 1998) and Social Dominance Orientation (SDO, Pratto, Sidanius, Stallworth & Malle, 1994) were included in the validation, because both underlie prejudice (e.g. Altemeyer, 1998; Duriez & Van Hiel, 2002). N = 195 people with different education levels completed a questionnaire. Results supported the convergent validity of the RAS-G. Answers were not biased by social desirability. The goal of the second study was a reduction of prejudice towards Turks based on cognitive dissonance theory (Festinger, 1957). If participants chose to perform a "pro-Turkish" behaviour voluntarily, dissonance should be aroused. By adding additional consonant cognitions dissonance should be reduced. This is supposed to lead to an attitude change (reduction of prejudice). In order to measure these effects items of the RAS-G as well as the other scales to measure prejudice, stereotypes and discriminating behavioural intentions used in the first paper were aggregated. According to a screening only participants (N = 202) with moderate prejudice level took part in the study. Participants generated arguments for the integration of Turks in Germany and spoke these into a microphone. Because of the screening, this act is supposed to be a counterattitudinal behaviour which should arouse dissonance (at least under certain circumstances). In an experiment we manipulated choice with which the counterattitudinal behaviour is performed (high vs. low). Further, personal threat of the topic was manipulated (high vs. low). In a control group participants generated arguments for a neutral topic (greener cities). High choice and high personal threat of the topic should lead to the arousal of higher dissonance. Dissonance reduction should result in an attitude change (reduction of prejudice) on the explicitly argued position as well as on the generalised measure of prejudice. However, Cialdini et al. (Cialdini et al., 1995) showed that only people with a high preference for consistency revealed the typical dissonance effects. Hence, we expected a reduction of prejudice as a result of the dissonance induction only for people with high preference for consistency. Our assumptions were supported: People with high PFC had lower generalized prejudice as well as lower prejudice on the explicit topic compared to the control group if they were in the high (vs. low) choice condition or high (vs. low) personal threat condition. The observed effect was still obvious in a posttest about 4 weeks after the dissonance induction. The personality variable preference for consistency (PFC) was further examined in the third paper. We questioned in how far PFC was associated with prejudice and its underlying attitudes authoritarianism and social dominance orientation. Research showed that authoritarian people tend to simple black-and-white thinking and the disregard of ambivalent, inconsistent information (e.g., Frenkel-Brunswik, 1949; Miller & Rokeach, 1968). Prejudice also is a means to cognitively simplify the world. SDO is defined as the promotion of hierarchies between groups (Sidanius, Pratto & Levin, 1996). The conceptualization of SDO does not show any overlap to the concept of PFC. Therefore, we expected an association between PFC, prejudice and authoritarianism, but not with SDO. The reanalysis of the data from the first study with structural equation models supported our assumptions. Part of the variance of authoritarianism was mediated by PFC. These results are a conceptual expansion of the construct preference for consistency.

Im ersten Artikel der kumulativen Dissertation werden die Charakteristika zeitgenössischer Vorurteile in Abgrenzung von früheren Konzeptionen offensichtlicher Vorurteilsäußerung erarbeitet. In diesem Zusammenhang wird herausgestellt, dass es im deutschsprachigen Raum kein (publiziertes) Maß zur expliziten Erfassung von Vorurteilen gibt, welches über gute psychometrische Eigenschaften verfügt. Diese Analyse bietet den Ausgangspunkt für die Entwicklung einer deutschen Version der Racial Argument Scale (RAS, Saucier & Miller, 2003), mit der auf indirekte Weise zeitgenössische Vorurteile erfasst werden können. Die deutsche Version RAS-G wurde an Skalen zur Erfassung von Vorurteilen, Stereotypen und diskriminierenden Verhaltensintentionen validiert. Weiter wurden die Einstellungsdimensionen Right-Wing-Authoritarianism (RWA, Altemeyer, 1981, 1988, 1996, 1998) und Soziale Dominanzorientierung (SDO, Pratto, Sidanius, Stallworth & Malle, 1994) herangezogen, welche Vorurteilen zugrunde liegen (z.B. Altemeyer, 1998; Duriez & Van Hiel, 2002). Die Fragebogenstudie mit N = 195 Personen unterschiedlicher Bildungsabschlüsse stützte die konvergente Validität der RAS-G. Die RAS-G zeigte keinen Zusammenhang mit sozial erwünschtem Antwortverhalten. Ziel der darauf folgenden Dissonanzstudie war eine Reduktion von Vorurteilen gegenüber TürkInnen. Demnach sollte ein freiwillig gezeigtes, "pro-türkisches" Verhalten zum Auftreten von Dissonanz führen. Eine Reduktion der Dissonanz sollte durch Hinzunahme zusätzlicher konsonanter Kognitionen zu einer Einstellungsänderung (Reduktion von Vorurteilen) führen. Zur Messung dieses Effektes aggregierten wir die Items der RAS-G wie auch der anderen in dem ersten Artikel verwendeten Skalen zur Messung von Vorurteilen, Stereotypen und diskriminierenden Verhaltensintentionen zu einem generalisierten Vorurteilsmaß. In dieser Studie wurden die ProbandInnen (N = 202) zuerst einem Screeing unterzogen, so dass nur Personen an der Studie teilnahmen, die tendenziell über Vorurteile gegenüber TürkInnen verfügten. Die ProbandInnen generierten Argumente für die Integration von TürkInnen in Deutschland und sprachen diese daraufhin in ein Mikrofon. Aufgrund des Screenings sollte dieses Verhalten eine einstellungsdiskrepante Argumentation darstellen, die bei den ProbandInnen unter bestimmten Bedingungen Dissonanz auslösen sollte. Experimentell variiert wurde die Wahlfreiheit, mit welcher die Personen das einstellungsdiskrepante Verhalten ausführten (hoch vs. niedrig). Weiter wurde die persönliche Relevanz des Themas variiert (hoch vs. niedrig). Bei hoher (vs. niedriger) Wahlfreiheit und hoher (vs. niedriger) persönlicher Relevanz des Themas erwarteten wir das Auftreten von Dissonanz. In einer Kontrollgruppe generierten die ProbandInnen Argumente für ein neutrales Thema (grünere Städte). Eine Dissonanzreduktion sollte in Form einer Einstellungsänderung hin zu einer Reduktion von Vorurteilen bei der konkret von den ProbandInnen vertretenen Einstellung wie auch bei deren generalisierten Vorurteilen gegenüber TürkInnen führen. Allerdings zeigten Cialdini et al. (Cialdini et al., 1995), dass nur Personen mit hoher Präferenz für Konsistenz (PFC) die typischen Dissonanzeffekte zeigten. Somit erwarteten wir eine Reduktion von Vorurteilen als Folge der Dissonanzinduktion nur für Personen mit hohem Konsistenzstreben. Unsere Annahmen konnten bestätigt werden: Personen mit hoher PFC wiesen bei hoher (vs. niedriger) Wahlfreiheit oder hoher (vs. niedriger) Selbstrelevanz des Themas ein deutlich niedrigeres Vorurteilsniveau auf dem generalisierten Vorurteilsmaß wie auch bei der konkret vertretenen Position (Integration von TürkInnen) auf als die Kontrollgruppe. Dieser Effekt war auch in einem Nachtest, 4 Wochen nach der Dissonanzinduktion, deutlich erkennbar. Die Persönlichkeitsvariable Präferenz für Konsistenz (PFC) wurde in der letzten Arbeit weiter beleuchtet. Es wurde untersucht, inwieweit PFC mit Vorurteilen und diesen zugrunde liegenden Einstellungen Autoritarismus und Soziale Dominanzorientierung zusammenhängt. Forschungen zu Autoritarismus hatten gezeigt, dass autoritäre Personen zu simplem Schwarz-Weiß-Denken sowie zur Missachtung ambivalenter, inkonsistenter Informationen neigen (z.B. Frenkel-Brunswik, 1949; Miller & Rokeach, 1968). Daneben stellen auch Vorurteile eine Möglichkeit dar, die Welt kognitiv zu vereinfachen. SDO wird definiert als Befürwortung von Hierarchien zwischen Gruppen (Sidanius, Pratto & Levin, 1996). Die Konzeption von SDO lässt keine inhaltlichen Überlappungen zum Konzept PFC erkennen. Wir nahmen somit einen Zusammenhang zwischen PFC, Vorurteilen und Autoritarismus, nicht aber SDO an. Die Analyse des Datensatzes aus der ersten Studie mit verschiedenen Strukturgleichungsmodellen bestätigte unsere Annahmen. Ein Teil der Varianzaufklärung von Autoritarismus an Vorurteilen wurde durch PFC vermittelt. Diese Ergebnisse stellen eine konzeptionelle Erweiterung des Konstruktes Präferenz für Konsistenz dar.
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Heitland K. Zeitgenössische Vorurteile : Erfassung, Erklärung und Reduktion. Bielefeld (Germany): Bielefeld University; 2009.
Heitland, K. (2009). Zeitgenössische Vorurteile : Erfassung, Erklärung und Reduktion. Bielefeld (Germany): Bielefeld University.
Heitland, K. (2009). Zeitgenössische Vorurteile : Erfassung, Erklärung und Reduktion. Bielefeld (Germany): Bielefeld University.
Heitland, K., 2009. Zeitgenössische Vorurteile : Erfassung, Erklärung und Reduktion, Bielefeld (Germany): Bielefeld University.
K. Heitland, Zeitgenössische Vorurteile : Erfassung, Erklärung und Reduktion, Bielefeld (Germany): Bielefeld University, 2009.
Heitland, K.: Zeitgenössische Vorurteile : Erfassung, Erklärung und Reduktion. Bielefeld University, Bielefeld (Germany) (2009).
Heitland, Kirsten. Zeitgenössische Vorurteile : Erfassung, Erklärung und Reduktion. Bielefeld (Germany): Bielefeld University, 2009.
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