Neglect in der taktil-sensiblen Modalität : Untersuchung mit elektrischer Stimulation am Rumpf

Corbach JO (2006)
Bielefeld (Germany): Bielefeld University.

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OA
Bielefeld Dissertation | German
Author
Supervisor
Hartje, Wolfgang (Prof. Dr.)
Alternative Title
Hemineglect and the sense of touch : an investigation with electrical stimulation of the trunk
Abstract
Hemineglect is a disturbance that can occur after lesions of one hemisphere of the brain, in most cases the right one. The affected people neglect visual, tactile or acoustic stimuli in the half-space opposite to the brain lesion. This behavior cannot be explained as a consequence of a disturbed processing of sensory information, neglect is rather a disturbance of its own. Vallar, Guariglia, Nico, and Bisiach (1995) investigated, how patients with spatial hemineglect would perform on an auditory localization task. The subject's task was to indicate the direction of a sound; in one condition it came from the front and in another condition from the back. The subjective location of the mid-sagittal plane was calculated by this data. Compared to right brain-damaged patients without neglect and a group of healthy controls, the mid-sagittal plane of right brain-damaged patients with hemineglect was displaced rightwards in the front and the back half-space. Vallar and colleagues (1995) interpreted this in favor of a translation of an egocentric coordinate system, rather than a rotation around the vertical axis of the body. Inspired by the work of Vallar et al. (1995), the following study investigated hemineglect in the tactile modality. Just like the auditory, the tactile sense allows questions regarding the back half-space. Can a deviation to the right of the subjective mid-sagittal plane in front space, which was found in the visual and auditory modality, be confirmed in the tactile modality as well? Does the subjective mid-sagittal plane in back space also show a deviation from the objective position? Would the deviation go to the right or to the left, to support translation or rotation of the egocentric frame of reference? These questions should be addressed in the following study. 8 right brain-damaged patients with neglect, 8 right brain-damaged patients without neglect and 11 nearly age matched healthy controls served as subjects in this study. All of them wore a belt containing 15 electrodes. Only one electrode at a time caused a prickling sensation, at first in the front, later in the back half-space. A specially constructed keyboard in the shape of a half-circle with 15 keys, served for the subjects as a means to enter their response regarding the spatial position of the stimuli. From this data the point of subjective equality (PSE) was calculated by multiple regression. The PSE is the point, where the probability for the subjects to classify a stimulus as right or left is equally high. In the front space the mean PSE in the group of neglect patients deviated -12 degrees to the left and was significantly different from the mean PSE of the healthy control group. In back space, the mean PSE of all groups deviated with -3 degrees slightly to the left, but was not different between the groups. The results were discussed in terms of external factors like the design of the study, the selection of the subjects and the equipment. Furthermore, aspects like perception, localization, visualization as well as planning and execution of the response were considered as factors that potentially could have influenced the results. In addition, the PSE as a method to calculate the mid-sagittal plane was discussed. It is considered possible that a deviation of the reacting movements of the neglect patients to the right has influenced the results. An additional thought is that pointing to targets in space as well as the visual search for them are active processes, whereas the perception of acoustic and visual stimuli are passive processes, and both dimensions could possibly dissociate within one patient. This study neither provides evidence for a translation nor for a rotation of the egocentric frame of reference in the tactile modality. This result is contradictory to the majority of the publications, which have dealt with the estimation of the front mid-sagittal plane in by neglect patients and had favored its deviation to the right.

Beim Neglect-Syndrom handelt es ich um eine Störung, die nach Schädigung zumeist der rechten Hirnhemisphäre auftreten kann. Die Betroffenen vernachlässigen visuelle, auditive oder taktile Reize in dem Halbraum, welcher der Hirnschädigung gegenüberliegt. Dabei handelt es sich nicht um eine Fehlfunktion der sensorischen Verarbeitung wie Blindheit oder Taubheit, sondern Neglect stellt eine eigenständige Störung dar. Vallar, Guariglia, Nico und Bisiach (1995) untersuchten das Neglect-Syndrom im Bereich des Hörsinns. Die Probanden sollten angeben, ob die auditiven Reize von rechts oder von links kamen, und zwar zunächst im vorderen, später im hinteren Halbraum. Aus der Summe dieser Daten wurde die subjektive Mittellinie errechnet. Im Vergleich zu rechtshemisphäriell Geschädigten ohne Neglect und Gesunden zeigte sich bei einer Gruppe rechtshemisphäriell geschädigter Neglect-Patienten im vorderen und im hinteren Raum eine Abweichung der subjektiven Mitte nach rechts. Dies wurde von Vallar und Mitarbeitern (1995) als Beleg für eine Translation des körperzentrierten Koordinatensystems gedeutet, wonach beim Neglect-Syndrom die subjektive Mitte im vorderen wie im hinteren Raum nach rechts abweicht. Die konkurrierende Hypothese einer Rotation, die im hinteren Raum eine Abweichung nach links annimmt, wurde von ihnen abgelehnt. Angeregt durch diese Arbeit wurde in der vorliegenden Studie das Neglect-Syndrom im Bereich des Tastsinns untersucht. Ebenso wie in der auditiven ermöglicht die Untersuchung in der taktilen Modalität auch Fragestellungen im Bereich des hinteren Halbraums. Lässt sich die in anderen Modalitäten gewonnene Erkenntnis, dass die subjektive Mitte im vorderen Halbraum zumeist nach rechts abweicht, bei Neglect-Patienten auch in der taktilen Modalität bestätigen? Kommt es im hinteren Halbraum ebenso zu einer Abweichung von der objektiven Mitte? Würde diese nach rechts oder nach links ausfallen und somit als Beleg für die Translations- oder die Rotationshypothese dienen? Diesen Fragen wurde in der Studie nachgegangen. 8 rechtshemisphäriell geschädigte Patienten mit Neglect, 8 rechtshemisphäriell geschädigte Patienten ohne Neglect sowie 11 neurologisch unauffällige, etwa altersentsprechende Kontrollprobanden nahmen an der Untersuchung teil. Durch einen Gürtel mit 15 Elektroden wurde zunächst im vorderen, später im hinteren Halbraum an jeweils einer Stelle des Rumpfes ein Kribbelreiz erzeugt. Auf einer speziellen Tastatur, welche die rundliche Form der Rumpfoberfläche nachahmte, sollten die Teilnehmer auf einer von 15 Tasten die räumliche Position des Reizes angeben. Die Einschätzung der subjektiven Mitte wurde bei allen Teilnehmern durch den Punkt der subjektiven Gleichheit (PSG) mit einer multiplen Regressionsrechnung ermittelt. Beim PSG handelt es sich um den Punkt, bei dem die Wahrscheinlichkeit, dass ein Reiz als links- oder rechtsseitig beurteilt wird, gleich groß ist. Im vorderen Halbraum wich der PSG in der Gruppe der Neglect-Patienten im Mittel mit -12 Winkelgrad nach links ab und unterschied sich signifikant vom mittleren PSG in der Gruppe der gesunden Kontrollgruppe. Im hinteren Halbraum tendierte in allen drei Gruppen der gemittelte PSG mit etwa -3 Grad geringfügig nach links, Unterschiede zwischen den Gruppen waren jedoch nicht erkennbar. Die Ergebnisse wurden hinsichtlich äußerer Faktoren wie dem Studiendesign, der Auswahl der Probanden und den eingesetzten Geräten diskutiert. Darüber hinaus wurden Überlegungen angestellt, wie innere Faktoren wie Wahrnehmung, Lokalisierung, Visualisierung, Reaktionsplanung und Ausführung der Reaktion durch die Probanden die Ergebnisse beeinflusst haben könnten. Weiterhin wurde auch der PSG als Methode zur Errechnung der subjektiven Mitte erörtert. Es wird für möglich gehalten, dass eine Abweichung der Reaktionsbewegungen der Neglect-Patienten nach rechts auf die Ergebnisse Einfluss hatte. Eine weitere Überlegung ist, dass es sich beim Zeigen von Zielen im Raum bzw. der visuellen Suche danach um aktive, bei der Wahrnehmung auditiver und taktiler Reize hingegen um passive Prozesse handelt, bei denen Abweichungen der subjektiven Mittellinie bei jedem Patienten dissoziieren können. In der vorliegenden Arbeit finden sich weder für die Gültigkeit der Translationshypothese noch der Rotationshypothese in der taktilen Modalität Argumente. Somit stehen die Ergebnisse im Widerspruch zu einem Großteil bisheriger Studien, die sich mit der Schätzung der subjektiven Mitte beim Neglect-Syndrom befasst haben und im vorderen Halbraum von deren Abweichung nach rechts ausgehen.
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Corbach JO. Neglect in der taktil-sensiblen Modalität : Untersuchung mit elektrischer Stimulation am Rumpf. Bielefeld (Germany): Bielefeld University; 2006.
Corbach, J. O. (2006). Neglect in der taktil-sensiblen Modalität : Untersuchung mit elektrischer Stimulation am Rumpf. Bielefeld (Germany): Bielefeld University.
Corbach, J. O. (2006). Neglect in der taktil-sensiblen Modalität : Untersuchung mit elektrischer Stimulation am Rumpf. Bielefeld (Germany): Bielefeld University.
Corbach, J.O., 2006. Neglect in der taktil-sensiblen Modalität : Untersuchung mit elektrischer Stimulation am Rumpf, Bielefeld (Germany): Bielefeld University.
J.O. Corbach, Neglect in der taktil-sensiblen Modalität : Untersuchung mit elektrischer Stimulation am Rumpf, Bielefeld (Germany): Bielefeld University, 2006.
Corbach, J.O.: Neglect in der taktil-sensiblen Modalität : Untersuchung mit elektrischer Stimulation am Rumpf. Bielefeld University, Bielefeld (Germany) (2006).
Corbach, Johannes Oswald. Neglect in der taktil-sensiblen Modalität : Untersuchung mit elektrischer Stimulation am Rumpf. Bielefeld (Germany): Bielefeld University, 2006.
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