Die Erzeugung von Wissen und Nichtwissen im Risikodiskurs

Lu K-H (2000)
Bielefeld (Germany): Bielefeld University.

Download
OA
Bielefeld Dissertation | German
Author
Supervisor
Japp, Klaus Peter (Prof. Dr.)
Abstract
Von der Beobachtung zweiter Ordnung ausgehend, untersucht die vorliegende Arbeit, wie die Gesellschaft sich mit der Wissens- und Nichtwissenskommunikation auf die Kontingenz des Risikowissens und der Reflexion auf Risikowissen im Risikodiskurs einstellt. Die wissenschaftliche Wissensproduktion und Reflexion auf Risikowissen liefern dem Handelnden insofern Sicherheit, als der Handelnde die theoretischen Prämissen bzw. "constraints" als gegeben hinnimmt. Die Beobachtung der vorausgesetzten Differenzen bzw. "constraints" des Risikowissens wird damit verhindert. Eine solche Handlungssicherheit wird jedoch relativiert, wenn man von der Beobachtbarkeit und damit von Kontingenz ausgeht. Für die Systemtheorie wird die Kontingenz des Risiko(nicht)wissens nicht aus der Welt geschaffen, sondern vielmehr in der Wissens- und Nichtwissenskommunikation absorbiert und reproduziert. Also reguliert die Gesellschaft die Kontingenz des Risiko(nicht)wissens mit der Wissens- und Nichtwissenskommunikation. Die von wissenschaftlichem Risikowissen gewährleistete Sicherheit hängt mit der handlungstheoretischen Differenz Subjekt / Objekt zusammen, in der man die zahlreichen vorgegebenen Eigenschaften bzw. Prämissen einrichten kann, um das Soziale des (Nicht)Wissens zu erklären. Dem soziologischen Verständnis des (Nicht)Wissens, also der Wissens- und Nichtwissenssoziologie, liegt dann Normativität zugrunde, weil man mit der Unterscheidung (Nicht)Wissen / soziale Struktur die Einflussfaktoren des Wissens sucht. Damit liefert die (Nicht)Wissenssoziologie dem Handelnden ebenfalls Sicherheit der Reflexion dadurch, dass die Reflexion auf (Nicht)Wissen von den genannten Faktoren bzw. Mechanismen abhängt, ohne zugleich die Reflexion zu beobachten. Statt die Einflussfaktoren bei der soziologischen Reflexion des (Nicht)Wissens einfach als vorgegeben hinzunehmen, geht die vorliegende Arbeit von der systemtheoretischen Prämisse aus, nach der das Soziale aus Kommunikationen besteht, die sich autopoietisch reproduzieren. Kommunikation beobachtet nur, was kommuniziert wird. Diese Rekursivität der Kommunikation macht alle Kommunikationen beobachtbar, alle vorgegebenen Prämissen des Sozialen sind damit nur das Resultat der Selbstbeschreibung der Kommunikation. Dementsprechend werden die Begriffe des Wissens und Nichtwissens als zwei Formen der Kommunikation konstruiert, in denen die Kontingenz immer durch Beobachtung erzeugt und bearbeitet wird. Die vier Formen des Risikodiskurses - also subjektive / objektive Risikoeinschätzung, Kultur, Partizipation und die Semantik des Nichtwissens - produzieren auf der Ebene erster Ordnung das Risikowissen und die Reflexion auf Risikowissen, um Sicherheit zu ermöglichen. Sie setzen sich jedoch auf der Ebene zweiter Ordnung der Beobachtung und damit der Kontingenz aus, indem sie die Wissens- und Nichtwissenskommunikation durchsetzen, in der die vier Formen aufgrund der Beobachtung von anderen Unterscheidungen entweder korrigiert oder abgelehnt werden. Im Risikodiskurs pendelt man deshalb zwischen mehreren Unterscheidungen. Daraus schließen wir, dass nicht die konkreten (Nicht)Wissensinhalte, sondern das ständige Überkreuzen zwischen den Unterscheidungen - also Wissens- und Nichtwissenskommunikation - die "Sicherheit" gewährleistet.
Year
PUB-ID

Cite this

Lu K-H. Die Erzeugung von Wissen und Nichtwissen im Risikodiskurs. Bielefeld (Germany): Bielefeld University; 2000.
Lu, K. - H. (2000). Die Erzeugung von Wissen und Nichtwissen im Risikodiskurs. Bielefeld (Germany): Bielefeld University.
Lu, K. - H. (2000). Die Erzeugung von Wissen und Nichtwissen im Risikodiskurs. Bielefeld (Germany): Bielefeld University.
Lu, K.-H., 2000. Die Erzeugung von Wissen und Nichtwissen im Risikodiskurs, Bielefeld (Germany): Bielefeld University.
K.-H. Lu, Die Erzeugung von Wissen und Nichtwissen im Risikodiskurs, Bielefeld (Germany): Bielefeld University, 2000.
Lu, K.-H.: Die Erzeugung von Wissen und Nichtwissen im Risikodiskurs. Bielefeld University, Bielefeld (Germany) (2000).
Lu, Kuei-Hsien. Die Erzeugung von Wissen und Nichtwissen im Risikodiskurs. Bielefeld (Germany): Bielefeld University, 2000.
Main File(s)
File Name
Access Level
OA Open Access

This data publication is cited in the following publications:
This publication cites the following data publications:

Export

0 Marked Publications

Open Data PUB

Search this title in

Google Scholar