Wie wirksam ist die Prävention von Essstörungen langfristig? : Entwicklung und Evaluation eines Trainingsprogramms an Schulen

Dannigkeit N (2004)
Bielefeld (Germany): Bielefeld University.

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Bielefeld Dissertation | German
Author
Supervisor
Tuschen-Caffier, Brunna (Prof. Dr.)
Alternative Title
How effective is the prevention of eating disorders in the long term? : Development and evaluation of a school-based training program
Abstract
The prevention of eating disorders is an area of research highly relevant to public health. Sub-threshold symptoms of eating disorder, such as extreme dieting or permanent high levels of shape and weight concern have reached epidemic proportions in western societies. Chronic eating disorders are linked to a range of often disabling and irreversible physical consequences and many patients will only seek therapy late or never. Since the mid-nineties many authors have therefore been pointing out the urgency of developing and implementing prevention programs. A number of very promising approaches and programs have so far been published, yet only a few programs have been evaluated systematically for their long-term effectiveness. This has led to the question behind this doctoral thesis: Is it possible to achieve long-term positive effects with regard to self-esteem, eating behaviour and shape and weight concern as well as knowledge about healthy eating and eating disorders? Two studies have been carried out. In the first study a 10 hour training program for students has been developed and evaluated for 2 years. The program is divided into a 5 hour basic training for the sixth grade and a booster training 2 years later (8th grade). It is based on the life skills approach called for by the World Health Organization. The conceptual development of the basic training and a primary evaluation were carried out during a preliminary study. The aim of this work was to develop a booster training and perform a long-term evaluation of the entire program (study 1). The effects of the program were examined with pre-, post- and follow-up measurements using a control-group design. The sample consisted of 204 boys and girls. After program participation a significant increase in nutrition related knowledge could be observed in the experimental group. The long-term evaluation also showed significant group differences in eating behaviour, shape and weight concern and self-esteem. Subject of study 2 of this doctoral thesis was to optimise the program's contents and to re-evaluate the entire program with regard to the evaluation criteria described in study 1. Parent-trainer meetings were also integrated into the program to account for the importance of parental influence in the pathogenesis of eating disorders. In order to obtain more representative data the program was expanded to include different schools and the sample size was almost doubled (N = 393). The positive results of study 1 could be confirmed as far as knowledge and eating behaviour were concerned. Once again a significant increase in nutrition related knowledge could be observed in the experimental group after participating in the program. The long-term evaluation also showed improved eating behaviour as well as a reduced drive for thinness when compared to the control group. However the effects concerning behaviour and attitude were significantly lower than those in study 1. With regard to self-esteem no significant group differences could be established. A possible explanation being that both groups had near-optimum values in the long-term evaluation since the expected deterioration of the control group did not set in (ceiling and floor effects). The effectiveness of the program could be proven in particular on a high-risk subgroup of students. In both studies it could thus be shown that this school-based primary prevention program had a positive and stable effect over the long-term. No counterproductive effects, such as have been occasionally suggested in literature, could be observed. Relating these results to the current state of research, study 1 may be considered very successful and study 2 may be considered successful.

Die Prävention von Essstörungen ist ein Forschungsthema von hoher gesundheitspolitischer Relevanz. Erste Anzeichen von Essstörungen wie extreme Formen des Diäthaltens oder auch die ständige Beschäftigung mit der eigenen Figur und dem Gewicht haben in westlichen Industrieländern mittlerweile nahezu epidemische Ausmaße erreicht. Die chronifizierten Störungsbilder sind mit schwerwiegenden körperlichen Folgen verbunden, und viele Patientinnen suchen erst spät oder sogar niemals therapeutische Behandlung auf. Daher wird seit Mitte der 90er Jahre von vielen Autoren immer wieder auf die hohe Dringlichkeit hingewiesen, mit der Präventionsprogramme entwickelt und implementiert werden sollten. Zwar gibt es inzwischen eine Reihe viel versprechender präventiver Ansätze, jedoch sind bisher nur wenige der bisherigen Programme systematisch auf ihre langfristige Wirksamkeit hin überprüft worden. Aus diesen Überlegungen leitete sich als Fragestellung dieses Dissertationsvorhabens ab, ob es langfristig möglich ist, positive Effekte in Bezug auf das Selbstwertempfinden, das Essverhalten und die Einstellungen gegenüber der eigenen Figur sowie hinsichtlich des Wissens über gesunde Ernährung und Essstörungen bei Teilnehmern eines Trainingsprogramms, das für den Einsatz im schulischen Kontext entwickelt worden war, zu erreichen. Zur Beantwortung dieser Fragen wurden zwei Studien durchgeführt. In Studie 1 wurde ein zehnstündiges Trainingsprogramm für Schüler entwickelt und über einen Zeitraum von zwei Jahren hinweg evaluiert. Das Programm war unterteilt in ein jeweils fünfstündiges Grundtraining in der 6. Klasse und ein Auffrischungstraining zwei Jahre später (8. Klasse). Hintergrund dieses Programms bildete der von der World Health Organization geforderte Lebenskompetenzansatz, der auf eine Stärkung der psychosozialen Kompetenzen und adaptiven Copingstrategien im Umgang mit schwierigen Lebenssituationen bei den Teilnehmern abzielt. Die konzeptionelle Entwicklung des Grundtrainings sowie dessen erste Evaluation fanden im Rahmen einer Voruntersuchung statt. Ziel der vorliegenden Arbeit war die Entwicklung des Auffrischungstrainings und die Langzeitevaluation des Gesamtprogramms (Studie 1). Das Programm wurde in einem Prä-Post-Kontrollgruppen-Design mit Follow-up an 204 Schülern auf seine Effektivität hin überprüft. Hier zeigte sich im Anschluss an die Programmteilnahme ein signifikanter Zuwachs an ernährungsrelevantem Wissen in der Experimental- im Vergleich zur Kontrollgruppe. Im langfristigen Verlauf konnten außerdem signifikante Gruppenunterschiede im Essverhalten und in den Einstellungen gegenüber der Figur sowie im Selbstwertgefühl nachgewiesen werden. Gegenstand der Studie 2 dieser Arbeit war zum einen eine inhaltliche Optimierung des Programms sowie eine erneute Überprüfung der langfristigen Wirksamkeit hinsichtlich der unter Studie 1 beschriebenen Evaluationskriterien. Unter Berücksichtigung der Bedeutung des elterlichen Einflusses bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Essstörungen sowie der in der Literatur sehr häufig ausgesprochenen Empfehlung, Eltern bei präventiven Interventionen mit einzubeziehen, wurden programmbegleitende Elternabende durchgeführt. Um eine höhere Generalisierbarkeit der Ergebnisse zu gewährleisten, wurde das Programm an verschiedenen Schulen eingesetzt und die Stichprobengröße im Vergleich zur Studie 1 verdoppelt (N = 393). Die positiven Ergebnisse der Studie 1 konnten hinsichtlich der Kriterien Wissen und Essverhalten bestätigt werden. Wiederum zeigte die Experimentalgruppe im Anschluss an die Programmteilnahme einen signifikanten Zuwachs an ernährungsrelevantem Wissen sowie im langfristigen Verlauf ein gesünderes Essverhalten und ein geringeres Schlankheitsstreben im Vergleich zur Kontrollgruppe. Jedoch waren die Effekte auf der Ebene der Einstellungen und Verhaltensweisen deutlich geringer als in der Studie 1 und es konnten keine signifikanten Gruppenunterschiede im Selbstwertgefühl gefunden werden. Erklärbar ist dieses Ergebnis damit, dass beide Gruppen im Langzeitverlauf Werte im hohen bis sehr hohen Bereich aufwiesen, da die erwartete Labilisierung der Kontrollgruppe ausblieb (Decken- bzw. Flooreffekte). Die Effektivität des Programms konnte insbesondere bei einer Subgruppe von Schülern nachgewiesen werden, die unter einem höheren Risiko für die Entwicklung einer Essstörung stand als die Gesamtstichprobe. In den beiden vorliegenden Untersuchungen konnte demnach nachgewiesen werden, dass das primäre Präventionsprogramm an Schulen eine positive und langfristig stabile Wirksamkeit hatte. Es gab keinerlei Hinweise auf kontraproduktive Effekte, die in der Literatur vereinzelt diskutiert werden. Eine Einordnung in den aktuellen Forschungsstand zeigte, dass die Studie 1 als sehr erfolgreich und die Studie 2 als erfolgreich im Vergleich zu anderen Untersuchungen zu bewerten sind.
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Dannigkeit N. Wie wirksam ist die Prävention von Essstörungen langfristig? : Entwicklung und Evaluation eines Trainingsprogramms an Schulen. Bielefeld (Germany): Bielefeld University; 2004.
Dannigkeit, N. (2004). Wie wirksam ist die Prävention von Essstörungen langfristig? : Entwicklung und Evaluation eines Trainingsprogramms an Schulen. Bielefeld (Germany): Bielefeld University.
Dannigkeit, N. (2004). Wie wirksam ist die Prävention von Essstörungen langfristig? : Entwicklung und Evaluation eines Trainingsprogramms an Schulen. Bielefeld (Germany): Bielefeld University.
Dannigkeit, N., 2004. Wie wirksam ist die Prävention von Essstörungen langfristig? : Entwicklung und Evaluation eines Trainingsprogramms an Schulen, Bielefeld (Germany): Bielefeld University.
N. Dannigkeit, Wie wirksam ist die Prävention von Essstörungen langfristig? : Entwicklung und Evaluation eines Trainingsprogramms an Schulen, Bielefeld (Germany): Bielefeld University, 2004.
Dannigkeit, N.: Wie wirksam ist die Prävention von Essstörungen langfristig? : Entwicklung und Evaluation eines Trainingsprogramms an Schulen. Bielefeld University, Bielefeld (Germany) (2004).
Dannigkeit, Nora. Wie wirksam ist die Prävention von Essstörungen langfristig? : Entwicklung und Evaluation eines Trainingsprogramms an Schulen. Bielefeld (Germany): Bielefeld University, 2004.
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